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Seehotel Wiesler

Aller Anfang ist schwer. Was als allgemeine Volksweisheit gilt, kann Klaus Günther Wiesler, Inhaber des Seehotels in Titisee, nur bestätigen. Als er 1989 das Hotel von seinen Eltern übernommen hatte, war seine Ausgangslage ungünstig. »Wir hatten das Hotel um das Doppelte erweitert und waren dabei schlecht beraten«, berichtet Wiesler.

»Der Schuldenberg war riesig, die Auslastung unserer Zimmer nur gering.« Gleichzeitig betrachteten Experten die Anlage mit 40 Zimmern und 60 Betten als zu klein. Hinzu kam, dass die Konkurrenz zu beiden Seiten des Hotels recht stark ist.

Titisee
Seehotel Wiesler

Bereits bei der Übernahme war für Klaus Günther Wiesler klar: »Ich musste mich in eine Richtung bewegen.« Es begann die Suche nach Ideen und den Stärken des Seehotels. »Damals hatten wir vier Gruppen von Gästen«, erklärt Wiesler.

Neben Reisegruppen und Feriengäste waren dies Geschäftsreisende und Teilnehmer an Tagungen. »Das meiste waren schon die Feriengäste. Deswegen war für mich klar, dass wir uns in diese Richtung bewegen sollten.«


Als Problem des ursprünglichen Gästemix' nennt Wiesler die verschiedenen Gewohnheiten der einzelnen Gruppen. »Der Geschäftsreisende steht früher auf als der Feriengast. Dadurch hatten wir eine sehr lange Frühstückszeit.« Schlimmer noch nennt er das Zusammentreffen von Feriengästen und Busgruppen: »Wenn Sie frühstücken wollen und dann eine Gruppe von 30 bis 40 Leuten über das Frühstücksbüfett rast – dann haben Sie gefrühstückt.«

Um den Bereich der Feriengäste und die Auslastung der Zimmer auf lange Sicht zu steigern, wimmelte Wiesler die Busgruppen möglichst am Telefon ab. Zugleich führte das Seehotel Buch über die Umsätze im Speisebereich. Wiesler: »Bei gutem Wetter war das Restaurant auch ohne die Busgruppen voll, bei schlechtem Wetter hatten wir weniger Gäste, aber die Feriengäste waren zufriedener und mit der Zeit kamen auch mehr.«

Seehotel Wiesler
Seehotel Wiesler, Blick zum See

Im nächsten Schritt hatte Wiesler eine Gästeanalyse erstellt und die Gäste gefragt, was ihnen gefällt. »Und das sagen einem die Gäste auch«, so der Hotelier. »Wir haben unser Angebot dann gezielt für diese Gruppe erweitert, um die Anziehungskraft zu erhöhen.« Als Beispiel nennt Wiesler die Möblierung der Zimmer. Hier hatte er vom Schreiner drei Varianten bekommen und die Pläne mit 25 Gästen besprochen. Ergebnis: »Das, was ich für mich gleich abgehakt hatte, hat den älteren Gästen am besten gefallen.« Als Konsequenz wurde ein Teil der Zimmer nach den Geschmack dieser Gäste eingerichtet.

Durch das neue Konzept kommt das Seehotel inzwischen auf eine Bettenbelegung von über 90 Prozent. Eine Erweiterung des Hotels lehnt Klaus Günther Wiesler dennoch ab. »Wachstum bedeutet für mich, das Geschäft auf gesunde Füße zu stellen und die Kapazitäten besser auszulasten.» Das Hotel hat damit nach wie vor 60 Betten. Durch die bessere Auslastung hat sich jedoch die Zahl der Mitarbeiter von 12 Anfang der 90er Jahre auf nunmehr 24 verdoppelt. Die Mittel, mit denen Wiesler dies erreicht hat, sind zum Teil verblüffend einfach.


So gibt es in jedem Zimmer eine Wärmflasche. »Viele Frauen nehmen daheim eine Bettflasche mit ins Bett, weil sie kalte Füße haben. In den meisten Hotels gibt es das nicht, die Frauen haben aber trotzdem noch kalte Füße.«

Weil es keinen Tagungsraum gibt, war zugleich genug Platz vorhanden, um den Wellnessbereich mit Saunalandschaft und Swimmingpool auszubauen. Dabei wurde die Außensauna nahe an den See gestellt. Mit Grund: »Wir versuchen, die Gäste in die Natur zu bringen. Wenn jemand in den Schwarzwald kommt, dann soll er dies auch hautnah erleben können.«

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