Geschichte der Waldshuter Chilbi

Waldshuter Männle beim Chilbi-Festzug
Blumenmädchen von Alt Waldshut

Aussichtslos schien die Lage der Waldshuter Stadtbevölkerung, als die habsburgische Festung im Juli und August 1468 von 16000 Eidgenossen belagert wurde. Hilfe aus der Nachbarschaft konnten die Bürger der Stadt keine erwarten. Denn den Klettgau, Tiengen und auch St. Blasien hatten die Eidgenossen bereits eingenommen und besetzt. Viele Dörfer waren geplündert und zerstört worden.

Noch hielten die Waldshuter Mauern dem Ansturm stand, auch wenn vor allem das Basler Tor einige böse Treffer hatte hinnehmen müssen. Laut der Geschichte von Waldshut war jedoch die Zahl der Verteidiger stark dezimiert. Außerdem gingen die die Nahrungsmittel in der Stadt bald zur bitteren Neige.

Waldshut in Flammen - romantische Beleuchtung am Chilbi-Sonntag

Genau darauf hatten damals auch die Belagerer gesetzt. Sie wollten die Stadt aushungern, um anschließend leichtes Spiel mit den verbliebenen waffenfähigen Bürgern zu haben. Doch dann führten die Junggesellen einen gut genährten Widder auf der Stadtmauer spazieren, um über die schlimme Ernährungslage hinwegzutäuschen. Um solch ein Tier vorführen zu können, hatten sie die knappen Lebensmittel an den versteckt gehaltenen Bock verfüttert.

Sollten die Belagerer die List durchschauen, wäre es um Waldshut geschehen und der Weg in den südlichen Schwarzwald und habsburgischen Sundgau für die Eidgenossen frei gewesen. Doch die Täuschung gelang. Glaubt man der Legende, sollen die Eidgenossen die Belagerung daraufhin aufgegeben haben.

Bockverlosung durch die Junggesellenschaft 1468
Rummel bei der Chilbi

Zum Verdruss vor allem der Berner, die sich am Rhein gerne einen Brückenkopf gesichert hätten, nahmen die Eidgenossen einen durch die Stadt Basel vermittelten Friedensvertrag an. Darin verpflichteten sich die Habsburger zu umfangreichen Schadensersatzzahlungen und setzten Waldshut mitsamt der dazu gehörenden Landvogtei als Pfand ein.

Noch heute erinnert die Waldshuter Chilbi an den glimpflichen Ausgang des Waldshuter Krieges. Aus den Verteidigern der Stadt, welche überwiegend aus Junggesellen bestanden, entstand mit den »Waldshuter Junggesellen 1468« die älteste bis heute bestehende Zunft Deutschlands. Mit der Bocktaufe, dem Festzug durch die Kaiserstraße und der Bockverlosung erinnern die sie alljährlich an die Geschehnisse von damals.

Schaffhauser Tor und Brücke über den Seltenbach
Trachtengruppe Huttwil in Waldshut

Dass der Widder auch in der Gegenwart gut gehütet werden muss, beweisen Ereignisse von der 542. Chibi. So staunte der Bürgermeister der Surianer-Gemeinde Tiengen (ein Narrenverein) nicht schlecht, als er den Bock zur Hochzeit geschenkt bekam. Weniger erfreut waren die Waldshuter Junggesellen, denen der Chilbi-Bock zuvor abhanden gekommen war.

VG Wort