Das Hochnotpeinliche Malefiz Narrengericht in Tiengen

Vom Brauch, zu Düenge das Recht nach gut Dünken zu beugen

Mit schweren Vorwürfen sah sich vor dem hochnotpeinlichen Malefiz Narrengericht Joachim Mei, Leiter der »Volkszins Waldshut« konfrontiert. Er soll in der Vorfasnachtszeit eine unbekleidete Schaufensterpuppe in seinem Büro aufgestellt haben, übertriebenes Wissen über gegorenen Traubensaft vorgetäuscht und den Zimmermädchen in einem Hotel nachgestellt haben. Doch dies sind nur zwei Punkte aus der ellenlangen Anklageschrift, die peinlichst genau ausgeschmückt wird.

Bei der Schwere all dieser und vieler weiterer Untaten braucht Mei den besten Verteidiger, den man sich wünschen kann. Leider jedoch spricht sein Fürsprecher eher dem Wein zu, als dass er ihm nützt. Der Gang aufs Rad der Tiengener Henker scheint damit bereits zu Prozessauftakt unausweichlich. Oder, wie man in den Reihen munkelt: »Die Tinte, mit der das Urteil geschrieben wurde, ist schon vor Tagen getrocknet.«

Video 508. Hochnotpeinliche Malefiz Narrengericht zu Tiengen

508. Sitzung des hochnotpeinlichen Malefiz Narrengerichts in Tiengen. Angeklagt ist Joachim Mei als Chef der »Volkszins« Hochrhein, der sich für haarsträubende Verbrechen an die Bevölkerung verantworten muss.

Der Delinquenten auferlegte Strafen

Neben den unter den Augen der johlenden Narrengemeinschaft noch an Ort und Stelle vollstreckten Strafe werden den Delinquenten weitere Hürden auf dem Weg zurück in ein rechtschaffendes Leben auferlegt. So musste die Aktionsvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Tiengen auch schon mal in einem Kartoffelsack gekleidet Spenden sammeln. Selten hat sie eine so gute Figur gemacht. Völlig verdient erhielt sie im Jahr darauf den Ritterschlag, auf dass sie Düenge fortan treu und ergeben diene.

Einem Freispruch unangenehm nahe kam der Landrat Martin Kistler, dem es nur durch mafiose Umtriebe gelungen sein, sich den Landkreis unter den Nagel zu reißen. Von weiteren, schändlichsten Vergehen wie der Vernachlässigung ganz zu schweigen. Seinem Ziel, nach 500 Jahren als erster vom hochnotpeinlichen Malefiz Narrengericht freigesprochen zu werden, endete freilich ebenfalls auf dem Folterrad. Zusätzlich wurde ihm auferlegt, am Schwyzertag beim Wunschkonzert der Stadtmusik das Badner Lied zu dirigieren. Uns tun noch heute die Ohren weh ...

Allgemeines zum Hochnotpeinlichen Malefiz Narrengericht zu Düenge

Das hochnotpeinliche Malefiz Narrengericht zählt zu den Höhepunkten der Tiengener Fasnacht. Im Mittelpunkt stehen bekannte Personen aus dem öffentlichen Leben der Gemeinde und Umgebung. Mit viel Wortwitz und dem ein oder anderen Zugeständnis (Wein, Sekt, Bier ...) versuchen diese, ihre vermeintliche Unschuld vor der blutrünstigen Narrenschar zu beweisen. Ziel der Verteidigung sollte es sein, den Kopf des Delinquenten aus der Schlinge zu ziehen bzw. ihn davor zu bewahren, aufs Narrenrad gespannt zu werden. Der Narrenrichter entscheidet schließlich, wie mit dem Schuldigen zu verfahren ist. Sagten wir schließlich? Das ist nicht immer gewiss. So wird regelmäßig zu Beginn der Sitzung erklärt: »Nicht, dass dies dank meiner rechtsbeugenden Kraft nicht ohnehin schon fest stünde.«

VG Wort