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Kutschfahrt ab dem Freudighof Tiefenhäusern

Geduldig lässt sich Sally anspannen. Bis das Pferdegeschirr richtig sitzt, dauert es ein bisschen. »Das Anschirren ist immer eine Prozedur für sich«, bemerkt Inge Bächtold, die Kutscherin. Während sie sonst Paare und Gesellschaften mit bis zu zwölf Personen empfängt, bin dieses Mal ich der einzige Gast auf dem Freudighof.

Sally, das ist eine Freiberger-Zuchtstute und neben dem Zuchthengst Hariano der Stolz von Inge Bächtold und ihrem Mann Siegfried. Aus Zufall kam die Freibergerin bereits schwanger auf dem Hof in Tiefenhäusern an. Seitdem bringt sie jedes Jahr ein Fohlen auf die Welt. Heute aber ist es ihre Aufgabe, mir die Landschaft rund um den Ort näher zu bringen.

Freiberger - Onkel und Neffe nebeneinander
Freiberger Hadriano

Als wir starten, lacht über uns die Sonne vom strahlend blauen Himmel. Es ist ein Tag wie für Ausflüge gemacht. Dabei reicht der 40-Jährigen eine handvoll Kommandos, um Sally zu lenken. Das gibt ihr Gelegenheit, mir einen Einblick in die Geschichte von Tiefenhäusern zu geben. Denn die ist mit Pferden und Kutschen eng verbunden. »Tiefenhäusern ist das älteste Dorf von Höchenschwand und befindet sich in der Mitte zwischen Waldshut und St. Blasien«, berichtet sie und erklärt: »Früher war hier eine wichtige Wechselstation für die Postkutschen.«

Genau befand sich diese im Landgasthof Rössle. Auch heute gibt es beim Restaurant noch Vorrichtungen zum Anbinden von Pferden. Wir jedoch passieren den Gasthof und biegen ein Stück weiter nach links ab. Sally läuft hierfür einen weiten Bogen, der an das Abbiegen im Straßenverkehr erinnert. Das ist kein Wunder, denn: »Viele Verkehrsregeln kommen von den Pferden und Kutschen«, weiß Inge Bächtold. So geht auch die Berechnung der Schleppkurven auf die Kutschen zurück. Immerhin braucht ein Vierergespann seine 15 Meter zum Abbiegen.

Zuchtstute Sally mit Kutscherin Inge
Freiberger Hadriano
Zuchtstute Sally mit Kutscherin Inge

Sally freilich schert sich nicht um irgendwelche Schleppkurven. Für sie steht lediglich fest, dass es heute nicht in den Wald, sondern über die offene Hochfläche geht. Muss sie die Kutsche zunächst ein paar Meter weit bergab bremsen, darf sie anschließend erstmals beschleunigen. »Ein Pferd braucht zehn Minuten, bis die Gelenke richtig geschmiert sind«, erklärt Inge Bächtold. Sally quittiert dies mit einem Schnauben, das wie das Schnurren bei den Katzen Wohlgefallen ausdrückt.

Sally bekommt ihre wohlverdiente Belohnung

Bei der anschließenden Runde über die Hochfläche kommen wir am Galgenmäuerle vorbei. Hier wurde einst Gericht gehalten und ein Salpeterer zu Tode verurteilt, dem seine Kameraden später die Hand abschlugen, um sie als Mahnmal an das Kloster von St. Blasien zu nageln. Weniger grausig sind da die Steinhaufen entlang der Wege. Sie entstanden beim Auflesen von Steinen auf den Feldern. Erst später erkannte man den Nutzen als Schutz vor Wind und Bodenerosion.

Wer mit Inge Bächtold unterwegs ist, hat das Gefühl, sie könnte immer weiter erzählen. Wir belassen es jedoch bei einer kleiner Runde, ehe wir zum Freudighof zurückkehren. Wer will, kann hier übrigens auch mit dem eigenen Pferd übernachten. Seit dem Herbst ist der Hof eine offizielle Wanderreitstation im Naturpark Südschwarzwald.
Neben den Reitern bietet der 450 Jahre alte Freudighof auch Radfahrern Platz in den urig eingerichteten Zimmern. »Bei uns sind alle Naturfreunde willkommen«, betont sie Wer mit einem ihrer acht Pferde ausreiten möchte, sollte jedoch Vorkenntnisse mitbringen.

VG Wort
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