Märzenbecherblüte in den Wutachflühen

Wandern im Naturschutzgebiet Wutachflühen

Gasthaus Wutachschlucht
Bahnhof Lausheim - Blumegg

Für die Wanderung zu den Wutachflühen fahren wir zum Parkplatz nahe dem Bahnhof Lausheim-Blumegg. Wobei Parkplatz etwas zu viel verspricht. Denn rechts der Straße von Grimmelshofen nach Lausheim ist zwar genug Platz, jedoch Halteverbot, da Wendefläche für Lkws.

Direkt beim Bahnhof der Museumsbahn finden wir keine Stellfläche, weshalb wir nahe dem Gasthaus Wutachschlucht auf so etwas ähnlichem wie einem Wanderparkplatz parken. Dann aber freuen wir uns auf eine schöne Wanderung mit Märzenbecher und anderen Frühlingsboten.

Wanderweg zu den Wutachflühen
Schwarzdorn
Wegweiser Eisenbahnlehrpfad Blumberg-Weizen

Auf der anderen Straßenseite und jenseits der Bahngleise führt der Wanderweg entlang der ruhig fließenden Wutach über einen Teil des Eisenbahnlehrpfads der Sauschwänzlebahn. Wer sich für die Geschichte und Besonderheiten der Sauschwänzlebahn interessiert, empfehlen wir, vielleicht an einer geführten Wanderung teilzunehmen.

Denn abgesehen von den Wegweisern finden wir auf dem Weg hinunter bis zur Wutachbrücke keine Informationen über die früher als strategisch bedeutsam eingestufte und bis heute besonders gebliebene Bahnlinie.

Bachmündung in die Wutach bei Blumegg
Eisenbahnbrücke der Sauschwänzlebahn

Erst, nachdem wir die Wutach überquert haben, kommen wir zu einer großen Tafel, welche uns ausführlich über die 107,5 m lange und 28 m hohe Wutachbrücke informiert. Es ist die vierte große Brücke der Sauschwänzlebahn, welche den Bauingenieuren damals große Sorgen bereitete.

Denn das Gebiet rund um der Wutach ist geologisch alles andere als stabil. Wobei die Überquerung der Wutach hier noch einfacher war als weiter oben bei Achdorf, wo die Wutachtalbahn ursprünglich geplant war.

Über die Wutachhalde zur Felswand der Flühen

Nach einem kurzen Abstecher auf die Eisenbahnbrücke der Sauschwänzlebahn fällt mir dann auch das Schild auf, welches verbietet, den Bahnkörper zu überschreiten. Aber wie heißt es schön? Wer liest, ist im Vorteil. Wer nicht liest, bekommt dafür die schöneren Bilder (-:

Ab der Brücke folgen wir dem breiten Wanderweg, passieren eine Infotafel mit Daten zur Brücke und Fakten zur nie gebauten Wutachtalbahn und erreichen ein paar Schritte weiter den Wegweiser Bei der Eisenbahnbrücke.

Eisenbahnbrücke über die Wutach
Blick auf die Wutach

Ab dem Wegweiser sind mehrere Wandermöglichkeiten ausgeschildert, von denen drei nach Achdorf führen. Wer mit Kindern oder an einem eher nassen Tag unterwegs ist, empfehlen wir die Variante auf dem Unteren Flühenweg.

Dieser führt auf ungefährlichen Wegen zu einer Stelle der Wutach, bei der wir zu beiden Seiten freie Sicht über das Wasser haben. Wir jedoch wählen die Variante über den Ostweg und folgen damit der schwarzroten Raute bergauf in den Wald.

Frühlings-Platterbse (Lathyrus vernus)
Wutachbrücke der Sauschwänzlebahn
Weiße Pestwurz (Petasites albus)

Der schmale und an vielen Stellen abschüssige Pfad zu der geologischen Besonderheit führt stetig bergauf. Bald sehen wir rechts von uns die ersten Felswände in die Höhe ragen. Im Gegensatz zur Wutachschlucht befinden sich die Flühen etwas abseits der beliebten Wanderrouten, sodass es hier eher ruhig zugeht.

Und doch bilden sie mit drei Kilometer Länge und einer Höhe bis 85 Meter den größten natürlichen Aufschluss des Muschelkalks in Südwestdeutschland.

Muschelkalkwand der Wutachflühen
Sackpfeiferdobel

Märzenbecherblüte und Lunzifelsen

Die schönste Zeit für diese Variante ist der zeitige Frühling zur Märzenbecherblüte. Das ist in etwa dann, wenn daheim im Garten die Schneeglöckchen schon wieder am verblühen sind. So entdecken wir zwischen der Wutachbrücke und dem Lunzifelsen eine reichen Bestand Märzenbecher, der den Waldboden in ein Blütenmeer verwandelt.

Die Leberblümchen, Veilchen und die Weiße Pestwurz sind weitere Vorboten des Frühlings. Daneben entdecken wir aber auch den unscheinbaren Orangeroten Becherling.

Märzenbecher (Leucojum vernum)
Leberblümchen (Hepatica nobilis)
Orangeroter Becherling (Aleuria aurantia)

Auf dem Ostweg kommen wir an mehreren Zeugenfelsen vorbei. Der größte und bekannteste ist der Lunzifelsen, der wie ein Eckpfeiler vor der Wand steht, aber noch mit ihr verbunden ist. Wer nach dem Wegweiser Bei der Muttergottes nach rechts auf den Schluchtensteig abzweigt, kommt an die obere Kante der Wutachflühen.

An zwei Stellen hat man dort eine spektakuläre Aussicht in den breiten Canyon. Der Ostweg bietet zwar keine solche Aussicht, ist als Weg aber schöner, da er direkt entlang der steil aufragenden Flühenwand verläuft. Hier bilden der »Kleine Finger« und der »Daumen« zwei weitere benannte Zeugenfelsen. Im Gegensatz zum Lunzifelsen stehen sie isoliert vor der Wand.

Wanderweg von den Wutachflühen nach Achdorf
Wanderweg entlang der Felswand der Wutachflühen

Dort, wo der Ostweg in eine wenig befahrene Kreisstraße mündet, treffen wir wieder auf den Schluchtensteig. Wer nicht schon einen Abstecher an den oberen Rand der Flühen unternommen hat, kann hier rechts abbiegen und etwa 200 Meter über die Straße bis zum Wanderparkplatz zurücklaufen.

Von dem Parkplatz sind es nur ein paar Schritte durch den Wald bis zur Kante. Alle anderen biegen links ab, passieren ein Stück weiter das andere Ende des Unteren Flühenwegs und wandern durch die abwechslungsreiche Wald- und Wiesenlandschaft nach Achdorf.

Lunzifelsen
Felsen Kleiner Finger
Blick von den Wutachflühen hinab in den Canyon

Variante über den Unteren Flühenweg

Gemeiner Gelbstern (Gagea lutea)
Märzenbecherblüte in den Wutachflühen

Bei der im Vergleich zum Ostweg ungefährlichen Variante über den Unteren Flühenweg folgen wir ab dem Wegweiser Bei der Wutachbrücke der gelben Raute Richtung Wutachmühle und Achdorf.

Damit verlassen wir sowohl den Eisenbahnlehrpfad, den Ostweg und Schluchtensteig und wählen einen schmalen Nebenwanderweg links in den Wald. Diese Variante sind wir ein paar Wochen später im Jahr gewandert.

Wurz?
Wutach bei Blumegg
Ausdauerndes Silberblatt (Lunaria rediviva)

Auf dem nächsten Wegstück, dem Unteren Flühenweg, zeigt sich, dass wir mit Anfang Frühling auch für diese Variante eine sehr schöne Zeit für die Wanderung gewählt haben. Während über uns die Laubbäume ausschlagen, stehen auf dem Waldboden viele Kräuter in Blüte, um mit dem Wiesenschaumkraut, Veilchen und der Frühlingsplatterbse nur ein paar Beispiele zu nennen. Auch ein Knabenkraut entdecken wir, welches wir jedoch nicht näher zu bestimmen wissen.

Wutach zwischen Achdorf und Grimmelshofen
Mühlsteine der ehemaligen Moggerenmühle

Die meiste Zeit über verläuft der Untere Flühenweg soweit oberhalb vom Fluss, dass sich uns nur kurze Abschnitte durch die Lücken im Wald zeigen. Schließlich senkt sich der Weg jedoch an einer besonders schönen Stelle bis ans Ufer hinab, von wo wir die Wutach in beide Richtungen gut überblicken können.

Es ist eine malerische Kulisse, bei der ich es nicht lassen kann, einen abgeflachten Stein ein, zwei Zentimeter an Annettes Bein vorbei in die Wutach zu werfen. Leider schaut sie mich tadelnd an. Dadurch verpasst sie, wie der Stein fünf, sechs, sieben Mal von der Wasseroberfläche wieder in die Luft fliegt, um schließlich nahe dem anderen Ufer zu versinken.

Veilchen
Wellblechweg von den Wutachflühen nach Achdorf

Auf dem Wellblechweg nach Achdorf

blühende Apfelbäume bei Achdorf
Bach von Achdorf

Gut zehn Minuten nach meinem perfekten Wurf (dem nur ein Zeuge fehlte), mündet der Untere Flühenweg in den Wutachtalweg. Er ist Teil des schwarzrot markierten Ostwegs und führt nach links Richtung Achdorf auf offenes Terrain mit blühenden Apfelbäumen und Schlehenhecken. Der Wutachtalweg wird daher in diesem Bereich auch scherzhaft als Wellblechweg bezeichnet.

Eine passende Umschreibung, denn bis Achdorf geht es ständig leicht bergauf und wieder bergab. Wer mit dem Rad unterwegs ist, kann hier ganz bequem einige Höhenmeter sammeln, da man oft nur ein-, zweimal in die Pedale treten muss, um die kleinen Senken zu durchfahren.

Wanderung von den Wutachflühen nach Achdorf
Wutach bei Achdorf
Wandermöglichkeiten bei Achdorf

Kurz bevor wir Achdorf erreichen, lädt beim Wegweiser Achdorf-Kalenäcker (540 m) eine Bank für eine erste Verschnaufpause ein. Wer will, kann von hier aus einen Abstecher zu den etwa ein Kilometer entfernten Schleifenbachfällen unternehmen. Sie befinden sich am Schluchtensteig, der hier von rechts kommend auf den Wutachtalweg trifft.

Wir verzichten auf die zusätzliche Runde und spazieren die letzten Meter nach Achdorf. Es ist ein beschaulicher Ort mit landschaftstypischen Höfen und Gebäuden sowie alten Obstbäumen mitten im Dorf. Schade nur, dass wir auf dem Weg dorthin entlang der schnell befahrenen Kreisstraße K5747 laufen müssen, die obendrein auch noch mit x Plakaten verschandelt ist.

Kirche in Achdorf
Pilger-Herberge am Jakobsweg in Achdorf

Hochland von Blumegg

In Achdorf überqueren wir ein zweites Mal die Wutach und halten uns danach rechts Richtung Überachen. Bald kommen wir zu einem Wanderparkplatz, bei dem große Tafeln über die kürzeren Wandermöglichkeiten in der Gemeinde Blumberg informieren.

Andere, kleine Tafeln geben uns Anlass zum Schmunzeln. Es sind Gedichte von Joachim Ringelnatz, die jemand entlang des Wegs angebracht hat.

Blick zum Randen
Wanderweg von Achdorf aufs Hochland von Blumegg

Wir passieren den Parkplatz und biegen ein paar hundert Meter weiter nach links ab. Anstelle des Schluchtensteigs begleitet uns auf diesem Abschnitt der Wanderung der Jakobsweg von Konstanz nach Santiago de Compostela. Er ist an der Markierung der gelben Jakobsmuschel mit gelbem Pfeil auf blauem Grund gut zu erkennen.

Bei einer Bank mit schöner Aussicht zur Mittelgebirgskette vom Hohen Randen (924 m) im Süden über den Buchberg (880 m), Eichberg (914 m) und Berchen (833 m) bis zum Rillibuck (854 m) im Norden. Bei soviel Aussicht und einer Bank an der rechten Stelle erübrigt sich jede Diskussion um die zweite Rast - zumal wir ab Achdorf einige Meter bergauf gewandert sind.

Annette auf dem Kirbachweg
Bärlauch (Allium ursinum)
Nebenwanderweg Blumegg-Kirchbachweg

Während der Jakobsweg bei der genannten Bank rechts abbiegt, bleiben wir auf dem asphaltierten Weg und laufen noch ein Stück weiter bergauf bis zu einen Ausbuchtung, wo ein gut versteckter Nebenwanderweg links abbiegt. Tatsächlich müssen wir erst einen verwilderten Abhang hinauf laufen und noch ein paar Schritte weit gehen, eh wir die nächste gelbe Raute finden.

Auch danach ist der Pfad eine Überraschung. Denn nachdem wir eine ruhige Lichtung passiert haben, führt er auf einmal bergab mitten durch eine Bärlauch-Flur. Stellenweise stehen die Blätter so dicht, dass der Pfad kaum mehr zu erkennen ist und lediglich Spuren anderer Wanderer zeigen, wo es lang geht.

Suchbild Wanderpfad im Bärlauch
Brücke über einen Tobel

Nachdem wir einen Tobel überquert haben, geht es wieder bergauf aus dem Waldstück hinaus auf das offene Hochland von Blumegg. Wegmarkierungen finden wir hier keine mehr. Die braucht es auch nicht unbedingt, da man sich nur links halten muss.

Irgendwie führen die Wirtschaftswege in südwestlicher Richtung alle nach Blumegg. Das Gefühl sollte einem zumindest bald sagen, wenn man ganz falsch ist.

Hochland von Blumegg
Wanderweg nach Blumegg

Rückweg über Blumegg

Obstbäume und Bauernhof in Blumegg
Ziegen bei Blumegg

Vier Stunden nach unserem Aufbruch beim Bahnhof der Museumsbahn erreichen wir Blumegg. Es ist eine Herde Ziegen, die uns begrüßt und neugierig näher kommt.

Als sie merken, dass wir für sie nichts dabei haben, wenden sie sich wieder dem saftigen Gras ihrer Koppel zu - oder, wie ein junges Lamm, springen und tollen aufgeregt über das Gras hinweg.

Putengehege in Blumegg
Kirchen von Blumegg
Wanderweg von Blumegg zu den Wutachflühen

Wie Achdorf ist auch Blumegg ein beschauliches Dorf. In der Mitte des Orts stand wahrscheinlich die Burg Blumegg, die Mitte des 15. Jahrhunderts zu gleichen Teilen an die Klöster St. Blasien und Reichenau verkauft wurde, eh sie ganz in den Besitz von St. Blasien überging.

1820 zerstörte ein Feuer 25 Häuser von Blumegg. Neben der Kirche, die zusammen mit sechs weiteren Gebäuden von den Flammen verschont blieb, lädt heute das Restaurant Hirschen zum Verweilen ein.

Schichtstufe eines Zeugenbergs
Zeugenberg bei Blumegg

Von der Kirche aus folgen wir den Wegweisern zur Eisenbahnbrücke. Nachdem wir ein Gatter mit Puten passiert haben, kommen wir zurück ins Naturschutzgebiet Wutachflühen. Auf dem Weg hinab zur Wutach kommen wir an den Resten der Ruine Blumegg sowie an Zeugenfelsen vorbei, bis wir schließlich bei der Wutachbrücke auf den bereits bekannten Wanderweg treffen.

Knapp fünf Stunden inklusive der Pausen endet die im Frühling schöne, abwechslungsreiche Wanderung beim Gasthaus Wutachschlucht.

Frühlingsplatterbse (Lathyrus vernus)
zurück beim Plätscherbach

Anfahrt und Anforderungen der Wanderung

Die Anfahrt zur Wanderung durch die Wutachflühen erfolgt über die B 314 Lauchringen - Singen. Zwischen Stühlingen und Fützen bei Grimmelshofen in die K 6597 (Wutachstraße) abbiegen. Die Parkmöglichkeiten befinden sich nach knapp einem Kilometer beim Gasthof Wutachschlucht.

AusgangspunktWanderparkplatz beim Gasthof Wutachschlucht bzw. Bahnhof Lausheim-Lausegg
KoordinatenN 47.79320, E 8.49200
Gehzeit4.30 Stunden
Distanz14 km
Anstiegeca. 400 HM
GradT2 (Variante über Unteren Flühenweg T1), Vorsicht bei Nässe und Glätte in den Flühen
EinkehrGasthaus Wutachschlucht am Ausgangspunkt, in Achdorf und Blumegg
gps-DatenWanderung Wutachflühen gpx
kml-DatenWanderung Wutachflühen kml

Wanderkarte Wutachflühen

Höhenprofil

Steigungsprofil

VG Wort