Wanderung zur Burgruine Wieladingen

Runde ab der Wickartsmühle

Die Wanderung zur Burgruine Wieladingen führt uns in eine besonders schöne Gegend vom Hotzenwald. Wo uns heute stille Wälder umfangen, stockte den Menschen in früheren Zeiten der Atem. Nicht ganz unschuldig daran war der Steinklopfer Eckart von Hänner. Einst hauste der bärtige Hüne wie ein Waldgeist im Murgtal und jagte jedem, der ihn zum ersten Mal sah, Angst und Schrecken ein. Anders als in den großen Steinbrüchen arbeiteten die Steinklopfer einzeln und fertigten Fensterstürze, Pflaster- und Gedenksteine an. Bis dato ist Eckart von Hänner als »Moosteufel« bekannt.

Das erste Ziel dieser Runde, der Strahlbrusch, ist bereits am Ausgangspunkt bei der Wickartsmühle angeschrieben. Der Wanderweg führt an einen Steinbruch vorbei. Hobbygeologen werden ihre Freude an der Abbaustelle haben. Mehr als 60 verschiedene Mineralien sind im Steinbruch Wickartsmühle zu finden. Ein paar ausgewählte wie der bekannte Albtalgranit oder Lamporphyr sind am Weg ausgestellt. Nach dem Studium der Infotafeln führt der Wanderweg in den Wald und entlang des Seelbachs ins Tal der Hauensteiner Murg.

Seelbach unterhalb der Wickartsmühle
Rast beim Strahlbrusch-Wasserfall

Wo der Weg nach links und somit weg vom Seelbach schwenkt, bietet der Felsen rechts des Wegs freie Sicht auf den Strahlbruschwasserfall. Kurz vor seiner Mündung stürzt der Seelbach hier über eine zwölf Meter hohe Stufe aus Cordierit hinunter zur Murg. Die nächste Besonderheit der Wanderung ist gleich nebenan: Harnische. An ihnen lassen sich Bewegungen innerhalb einer Gesteinsschicht erkennen. Bei dem mechanischen Abrieb entstehen an den Trennflächen der Verwerfung feinste Gesteinspartikel, die sich unter Hitzeeinwirkung zu einer schwarzen Masse verfestigen können. Wenige Schritte weiter ist die Murg erreicht.

Jenseits der Murg biegen wir rechts ab. Weiter geht es auf einem Abschnitt des Murgtalpfads bis zur Murgtalbrücke zur Burgruine. Auf dem Weg dorthin passieren wir bei »Alter Stausee« das 2011 abgerissene Stauwehr des ebenfalls nicht mehr vorhandenen Kraftwerks Berberich. Über die Bedeutung des Kraftwerks, die Gewässerökologie und die Renaturierung der Murg informieren mehrere große Tafeln. Nachdem wir einen Tunnel durchquert und einen kleineren Wasserfall passiert haben, wechseln wir bei der Murgtalbrücke ein zweites Mal die Seite der Murg.

Blick auf den Seelbach
Gumpen und Minikaskaden im Seelbach
Strahlbruschwasserfall

Mit dem Aufstieg zur Burgruine Wieladingen folgt der anstrengendste Teil dieser Wanderung. Vin der Murg bis hoch zur Festung sind 100 Höhenmeter zu bewältigen. Die Mühe aber lohnt sich. So führt der Pfad an malerischen, kleinen Wasserfällen vorbei zu den gut erhaltenen Mauern der Burg Wieladingen. Der in mehreren Abschnitten errichtete Sitz der Herren von Wieladingen bietet mit seinen beiden Burghöfen einen idealen Platz für eine schöne Rast. Anschließend geht es vom oberen Ausgang der Burg über Lehnhof und Wieladingen zurück zum Ausgangspunkt bei der Wickartsmühle.

Aufstieg zur Burg Wieladingen
Lehenbachwasserfall unterhalb der Burgruine
Lehenbachwasserfälle im Hotzenwald

Geschichte der Burgruine Wieladingen

Wenn man bedenkt, dass der obere Hotzenwald erst ab dem 13. Jahrhundert besiedelt wurde, war die Burg Wieladingen sicherlich eines der ersten großen und massiven Gebäude in dieser Ecke des Schwarzwalds. Denn sie wurde schon um 1200 in mehreren Etappen als Sitz der Herren von Wieladingen und Ministeriale des Klosters Säckingen erbaut. In erster Linie diente die Burg der Verwaltung der Dinghöfe in Murg, Oberhof und Herrischried sowie der Klostergüter im Fricktal, das heute zur Schweiz gehört.

Bergfried der Burg Wieladingen
Annette auf der Burgruine Wieladingen
Aussicht über die Burgruine Wieladingen

Durch die geschützte Lage der Burg auf einem schmalen Felsgrat zwischen der Murgschlucht und dem Lehenbach war es möglich, den Talweg entlang der Murg sowie den Übergang bei der Lochmühle zu kontrollieren. Umgekehrt erschwerten das steile und schroffe Gelände und zwei Halsgräben ungebetenen Gästen den Zugang zu der Festung.

Bis 1982 führten noch zwei Tore nebeneinander ins Innere der Burg. Durch das Wirken von Frost und Baumwurzeln ist die Doppeltoranlage jedoch im März 1982 eingestürzt. Als Folge gründeten Mitglieder des Schwarzwaldvereins 1984 in Rickenbach den Förderkreis Burgruine Wieladingen, um die gefährdete Festung zu erhalten.

Sicht von der Burg Wieladingen nach Norden in den Hotzenwald
Blick von der Burg Wieladingen in die Schweiz

Dem Förderverein ist es zu verdanken, dass die Burg Wieladingen heute wieder sicher begangen werden kann. Mit Unterstützung des Landesamts für Denkmalpflege haben sie den Burgfried von Gestrüpp befreit, die Mauern gesichert und den Stützbogen am Kellergeschoss gerettet. Weil die Burg nie Ziel eines Angriffs war, sondern wahrscheinlich einfach nur aufgegeben und sich selbst überlassen wurde, konnten große Teile der Burg mit den originalen Steinen restauriert werden.

Neu hingegen ist eine Wendeltreppe. Sie führt auf den 28 m hohen Bergfried, der uns eine schöne Aussicht über das Hochrheintal und in die Schweiz gewährt. Wer hingegen lieber mit den Füßen auf festen Boden bleiben möchte, kann sich bei den Schautafeln über die Geschichte der Burg und das Leben der Ritter informieren.

Blick durch die Wendeltreppe
Infotafeln zur Burg Wieladingen

Anfahrt und Anforderungen der Wanderung

Von der B518 Schopfheim-Bad Säckingen bei Wehr nach Rickenbach auf die L155 abfahren; bei der Einmündung in die L152 rechts nach Willaringen abbiegen und ab dem Ortsende der Beschilderung zur Wickartsmühle folgen. Alternativ erfolgt die Anfahrt von Süden über die B34 Bad Säckingen-Waldshut. Hier in Murg nach Rickenbach abzweigen, zwischen Schweikhof und Willaringen rechts zur Wickartsmühle abbiegen.

Anfahrt mit Bus & Bahn
Es bestehen Busverbindungen ab Bad Säckingen und Rickenbach zur Haltestelle Abzweig Wickartsmühle, Rickenbach. Von der Haltestelle sind es ca. 500 Meter bis zum Ausgangspunkt.

Ausgangspunkt Wickartsmühle
Koordinaten N 47.60450, E 7.98520
Gehzeit 2.30 Stunden
Distanz 8 km
An-/Abstiege ca. 250 HM
Grad T2-3 (Vorsicht bei Glätte im Aufstieg)
Einkehr schöne Rastmöglichkeiten bei der Burg
gps-Daten Wanderung Burgruine Wieladingen gpx
kml-Daten Wanderung Burgruine Wieladingen kml

Wanderkarte Burgruine Wieladingen

Höhenprofil

Steigungsprofil

VG Wort