Wanderung durch die Wehraschlucht

Die Wehraschlucht bildet den westlichsten Abschnitt des Schluchtensteigs. Da der Schwarzwaldverein auf beiden Seiten des Tals Wanderwege beschildert hat, ist hier eine Rundwanderung gut möglich. Diese startet klassisch bei der Staumauer des Wehrabeckens. Da es keine Restaurants oder Cafés auf der Runde gibt, empfehlen wir, eigenen Proviant mitzunehmen.

Start beim Wanderparkplatz nahe der Staumauer

Anfang April starten wir unsere Wanderung durch die Wehraschlucht bei für diese Jahreszeit viel zu warmen Temperaturen. Der Ausgangspunkt der Rundwanderung ist der Wanderparkplatz nahe der Staumauer des Wehrabeckens, direkt an der L148 zwischen Wehr und Todtmoos. Nachdem wir die schnell befahrene Landstraße überquert haben, führt der Weg über die Staumauer auf die westliche Seite des Tals.

Auf diesen ersten Metern muss man wohl sagen, Augen zu und durch. Denn im Vergleich zu anderen Stauseen im Südschwarzwald, die sich wie der Schluchsee gut in die Landschaft einfügen, sehen wir uns hier einem technischen Monstrum gegenüber. Das über Jahrtausende durch die Naturkräfte geformte Tal fiel diesem leider zum Opfer.

Entgegen der Propaganda auf den Infotafeln dient der Stausee, zusammen mit dem Hornbergbecken, wohl in erster Linie dazu, überschüssigen Atomstrom im Kavernenkraftwerk der Hotzenwaldgruppe grün zu waschen. Im Gegensatz zum Schluchsee sind hier keine Freizeitaktivitäten erlaubt, da Lebensgefahr besteht.

Auf dem Schluchtensteig zur Wehratalbrücke

Gleich danach folgen wir den Schildern des Schluchtensteigs Richtung Wehratalbrücke über den breiten Stollisgrabenweg hinauf in den Wald. Auf diesem ersten Abschnitt gewinnen wir rasch an Höhe, sodass der Stausee bald weit unter uns liegt und die Verbauungen am unteren Ende nicht mehr zu sehen sind. Dafür begleitet uns nun ein lautstarkes Vogelgezwitscher. Deutlich zu erkennen sind die Buchfinken, die in dem noch lichten Laubwald ihre Reviere abstecken oder auch schon auf Brautschau sind.

Unterbrochen wird das Gezwitscher von einer Gruppe Männer, die damit beschäftigt sind, frisch gefällte Bäume transportgerecht zu zersägen. Obwohl sie uns bemerken, schaut keiner auf, um zu grüßen. Im Hotzenwald sind wir dieses Verhalten gewohnt. Denn auch wenn in der Gegend viele Einwohner vom Tourismus direkt oder indirekt leben, sind die Menschen hier gegenüber Fremden zurückhaltend, wenn nicht sogar etwas argwöhnisch geblieben. Wir denken nicht weiter darüber nach, sondern wechseln ein paar Meter weiter auf den schmalen Jockisebenweg.

Aufstieg auf die Mettlerhalde

Über den Jockisebenweg kommen wir in ein Waldgebiet, in dem mehrere umgekippte Bäume liegen. Die meisten sind in dem Einschnitt eines schmalen Rinnsals gestürzt, wo sie inzwischen von Moosen überwuchert werden. Als wir das munter in die Wehraschlucht plätschernde Bächle erreichen, lesen wir, dass wir uns im Bannwald Wehratal befinden.

Diese zählen zu den Totalreservaten, in denen jegliche forstliche Nutzung ruht. Alles soll hier sich selbst überlassen bleiben, damit sich die Waldvegetation ungestört entwickeln kann. Lediglich die Bäume, die über den Wanderweg gestürzt sind, werden gelegentlich an die Seite geräumt, nun ja, zumindest hin und wieder.

Die Folgen der sich selbst überlassenen Entwicklung des Walds entdecken wir auf dem Weg zum Neumettlengraben: es ist ein ehemaliger Fichtenbestand, den Hitze, Borkenkäfer und Wind in den in den letzten Jahren abgeräumt haben. Bis wann die Fichten ganz verschwunden sind, ist nur eine Frage der Zeit. Für sie ist das Klima einfach zu warm und trocken geworden, als dass sie auf dem sonnigen Hang noch bestehen könnten. Besser ergeht es da den Buchen und andere Laubbäumen. Sie können zumindest nach einem hitzebedingten Blattabwurf wieder austreiben.

Über die Mettlerhalde zur Mettlerhütte

Nachdem wir den Neumettlengraben überquert haben, führt der Pfad am Hang weiter bergauf. Es ist ein reizvoller Wanderweg, der sich unter dem im Frühling noch lichten Laubwald bis zum Wegweiser »An der Mettlerhalde« bis auf 660 Meter hinauf zieht. Wer will, kann dort einen 200 Meter weiter Abstecher zur Mettlerhütte unternehmen.

Wir jedoch laufen weiter bis zum Ausblick zur Felsenhütte, wo wir eindreiviertel Stunden nach Aufbruch an der Staumauer eine erste Rast einlegen und unsere Blicke über die Wehraschlucht schweifen lassen, bis wir die Felsenhütte gegenüber entdecken.

Aufstieg von der Wehratalbrücke zur Ehwaldhütte

Gut gestärkt, spazieren wir von der Mettlerhalde wieder hinab zur Wehra. Dieser Teil der Tour ist nicht weiter spannend. Weil es gemütlich bergab geht, ist er allerdings auch nicht anstrengend. So können den letzten Kilometer zur Wehratalbrücke entspannt angehen, eh wir bei der Talsohle die Landstraße Wehr-Todtmoos ein zweites Mal überqueren.

Wer es bei einem Spaziergang auf dem Abschnitt der Wanderung, der Teil des Schluchtensteig ist, belassen möchte, kann von hier mit dem Bus zurück nach Wehr fahren. Interessanter ist es jedoch, die Wanderung auf der anderen Seite der historischen Steinbrücke fortzusetzen. In dem Fall heißt es dann, die nächsten 100 Höhenmeter entlang des in vielen kleinen Kaskaden bergab hüpfenden Sägebachs hinauf zum Ehwald in Angriff zu nehmen.

Einst wurden die Seiten des Bachs mit Steinen befestigt. Da sich der Bach wie der Wald ungestört entwickeln darf, sind diese aber inzwischen so stark mit Moos bewachsen, dass die alten Mauern kaum noch auffallen. Genauso sind die Baumstämme, die quer über den Sägengraben gestürzt sind, mit Moos, Farn, Kräutern und sogar jungen Bäumchen regelrecht überwuchert.

Auf 690 Meter angelangt, verlassen wir die Idylle des Sägebachs und wechseln auf den Unteren Ehwaldweg. Damit befinden wir uns wieder auf einem breiten Waldweg, auf dem wir nach rund 1,5 km die Ehwaldhütte (770 m) passieren. Den größten Teil der Höhenmeter dieser Wanderung haben wir damit geschafft.

Tunnel auf dem Ehwaldweg

An sich ist die Wanderung durch die Wehraschlucht auch im Winter möglich. Spätestens bei zwei Tunnels wäre es dann allerdings von Vorteil, einen Helm bei sich zu tragen. Denn bei den Tunneln des Ehwaldwegs warnen nicht nur Schilder vor möglichem Steinschlag, er passiert auch, wie die abgebrochenen Felsstücke an den Ausgängen zeigen.

Ob die Alternative, auf einem steilen Pfad über den ersten der beiden Tunnel zu klettern, besser ist, ist fraglich. So bleibt wohl als beste Alternative, sich nicht unnötig lange unter dem brüchigen Gneis aufzuhalten und im Zweifelsfall seinen Kopf mit dem Rucksack oder wenigstens den Händen zu schützen.

Felsenhütte über der Wehraschlucht

Auf der anderen Seite der 1885 durch den Fels geschlagenen Tunnel unbeschadet angekommen, spazieren wir über dem Mittleren Ehwaldweg zur Felsenhütte. Sie bietet einem nicht nur einen schönen Ausblick über das Wehratal, sondern lädt mit der kleinen Bank direkt vor dem Abgrund außerdem zur zweiten wohlverdienten Pause der Wanderung ein. Wer will, kann sich auf einer Tafel über die Felsenlandschaft des Bannwalds informieren oder den Ausblick der Seite gegenüber suchen, bevor es weiter zur leider in die Brüche gegangenen Zwillingsbuche geht.

Nach dem Abstieg zum oberen Ende des Wehrabeckens bestimmen wieder technische Gebäude die Kulisse. So kommen wir an einer Versuchsanlage der Schluchseewerke vorbei, ehe wir einen Stollen und das Verwaltungsgebäude der Hotzenwaldgruppe passieren. Von dort geht es erneut über die Landstraße und entlang des Stausees zurück zum Wanderparkplatz, wo für uns eine für diese frühe Jahreszeit schöne Wanderung bei mittlerweile sommerlichen Temperaturen endet, die sich durch ihre Distanz und den hohen Waldanteil sowohl gut als Einstiegswanderung als auch als Wanderung im Hochsommer eignet, wenn an auf den sonnigen Hängen unangenehm heiß wird.

Anfahrt, Anforderungen und GPS-Daten zur Wanderung

Die Anfahrt erfolgt über die B 34 Bad Säckingen - Rheinfelden bzw. die B 518 Schopfheim - Wehr nach Wehr. In Wehr weiter über die L 155 und L 148 bis zum Wehra-Staudamm fahren, parken am Seitenstreifen neben der Straße.

Ausgangspunkt Wanderparkplatz am Wehrastausee
Koordinaten N 47.64570, E 7.92080
Gehzeit 4-4.30 Stunden
Distanz 13 km
Anstiege 510 HM
Anforderungen Mittelschwere Bergwanderung auf überwiegend Waldpfaden und Forstwegen.
Einkehr keine
GPS-Daten Wanderung Wehraschlucht gpx
kml-Daten Wanderung Wehraschlucht kml

Wanderkarte Wehraschlucht

Höhenprofil

Die weiteren Etappen des Schluchtensteigs

Kommentare und Rückmeldungen

VG Wort